Junger Meister des Bogenbaus

Berliner Morgenpost, 23.1.2000
 

Gregor Walbrodt

Gregor Walbrodt spannt den Bogen mit Pferdehaaren. Für seine Geigen- und Bratschenbögen erhielt der 31-Jährige mehrere Goldmedallien. Foto Laninger

VON TANJA LANINGER

Steglitz - Immer wieder streicht Gregor Walbrodt über die Saiten. Konzentriert horcht er auf die Töne, die er seiner Geige entlockt. Wie klingt der Bogen - obertonreich, weich oder klar? Für den 31-Jährigen eine existenzielle Frage schließlich ist er seit Ende Dezember eingetragener Meister des Geigenbogenbaus.

Eigentlich wollte er, der seit dem siebten Lebensjahr selbst Geige spielt, auch Violinen bauen. Doch 1990, nach dem Abitur, hätte er zwei Jahre äuf einen Ausbildungsplaiz warten müssen. So entschied er sich für den Bogenbau. Walbrodt schätzt die Zunft auf 50 Betriebe in ganz Deutschland. So zieht der gebürtige Berliner nach Bubenreuth bei Nürnberg, einem Geigen- und Bogenbau-zentrum. Nach seiner dreijährigen Ausbildung sammelt er Auszeichnungen: 1993 wird er Bundessieger im Leistungswettbewerb; es folgen yon 1996 bis 1998 vier international anerkannte Goldmedaillen für Geigen- und Bratschenbögen.

Die Auszeichnungen schmücken die Wände seines "Empfangszimmers" an der Drakestraße 39. Neben-an befindet sich die Werkstatt. In der Ecke stapeln sich rot-braune Bretter - Fernambukholz aus Brasilien. "Das ist sehr dicht, hart und trotzdem biegsam", so Walbrodt. Eigenschaften, die nötig sind, damit der geschnitzte Stab nach dem Erhitzen in die typisch kurvige Form gedrückt, gehobelt und gebogen werden kann.

Handarbeit erfordert auch der sogenannte Frosch: eine Halterung am Griff des Bogens, in der rund 120 Pferdehaare verspannt werden. "Ich verwende dafür Ebenholz, 18-karätiges Gold und PerImut", betont Walbrodt. Die Detailtreue hat er aus Frankreich mitgebracht, wo er u. a. bei Stéphane Thomachot lernte.

Seit 1996 ist Walbrodt zurück in Berlin. Das Geschäft laufe gut, lächelt er. Seine Kunden spielten in verschiedenen Berliner Orchestern oder seien Hauptfachstudenten. Seine Bögen hat er bereits nach Frankreich, Belgien und in die USA verkauft. Er arbeitet auf Bestellung, ein halbes Jahr muss man derzeit auf einen echten Walbrodt warten - 20 schaft er pro Jahr. ,"Doch die Nachfrage ist größer - vielleicht stelle ich bald Auszubildende ein."

 

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